Telemedizin könnte ein großer Schritt in die Zukunft sein: Nicht nur in Zeiten der aktuellen Corona Pandemie ist die Möglichkeit einer kontaktlosen und ortsunabhängigen Betreuung ein wichtiger Baustein zum Schutz der Patienten, wie auch des Praxis-Teams. Insbesondere in der Psychotherapie kann Telemedizin vielfältige Vorteile aufweisen: Eine Dokumentation über die gestalterisch-kommunikative Umsetzung von Telemedizin für Qurateam, einer Praxisfamilie für Psychologie und Psychiatrie in Basel/Schweiz.

TELEMEDIZIN
HOW-TO 

TELEMEDIZIN                 ONLINETHERAPIE           VIDEOSPRECHSTUNDE

Telemedizin als Chance (nicht nur) während Corona Quarantäne

Die telemedizinsche Patientenversorgung und Behandlung sind sowohl für viele Praxen als auch Patienten noch Neuland. Es gilt, Vorurteile und Skepsis aus dem Weg zu räumen und die Möglichkeiten und Vorteile ansprechend zu kommunizieren.
War dies noch vor ein paar Wochen eine eher größere Hürde, liegen jetzt - während der Corona Krise - die Vorteile klar auf der Hand: Praxen vieler Fachgebiete,  können durch eine kontaktlose Betreuung sowohl Patienten als auch das Praxisteam vor Ansteckung schützen.

Unterstützender Baustein ärztlichen Handelns

Dabei geht es nicht darum, die medizinische Versorgung zu "digitalisieren", sondern vielmehr um eine Ergänzung der ärztlichen Versorgung, die (auch) den Patienten einen großen Mehrwert bietet. Denn oft fällt es mobilitätseingeschränkten oder psychisch kranken Personen sehr schwer, die eigenen vier Wände zu verlassen. Oft ist der Besuch beim Arzt auch noch mit langer Anfahrt und Wartezeiten verbunden: Negative Aspekte eines Arztbesuchs, die bei der telemedizinischen Betreuung wegfallen.

Vorteile vermitteln und Prozedere erklären

Da es sich bei der Telemedizin immer noch für viele Patienten um eine innovative Neuerung handelt, werden praxis-interne Prozesse enorm erleichtert, wenn sich Patienten im Vorfeld mit dem neuen Angebot beschäftigen können und Antworten auf ihre Fragen finden. So kann sowohl die*der betreuende Ärzt*in oder Therapeut*in als auch das Sekretariat/Sprechstunden-Team von einer enormen Arbeitserleichterung profitieren. 

Was ist Telemedizin? Aufklärung auf Website und Flyern

Wird die Aufklärung und Information über das telemedizinische Angebot auf allen Kanälen, wie beispielsweise der Website oder auf Flyern, fachgerecht und verständlich gestaltet, wird die Hemmschwelle der Patienten enorm gesenkt. Dabei ist es wichtig, völlig transparent und inhaltlich auch auf mögliche Schwierigkeiten einzugehen. So bleiben bei den Patienten keinerlei (kritische) Fragen offen und es wird eine größere Akzeptanz erreicht.

Videosprechstunde wegen Corona: Schnelle Umsetzung ist gefragt

In der folgenden Dokumentation wird meine Arbeit für die Praxisfamilie Qurateam beleuchtet. Das Projekt startete Mitte März, vor dem zu erwarteten Peak von Corona und hatte durch die Brisanz allerhöchste Priorität. Das telemedizinische Angebot der psychotherapeutischen Praxis in Basel sollte möglichst schnell nach außen kommuniziert werden. Als bevorzugten Kanal wurde zuerst die Website gewählt.

Telemedizin und Onlinetherapie sind noch relativ neu. Das oberste Ziel ist daher die Aufklärung und Information der Patienten. Einer der ersten Schritte ist daher die Zielgruppen-Analyse und das Wording: Nach was könnten Patienten von Qurateam bei Google suchen? Während Corona könnten dies zum Beispiel sein: "Corona Termin absagen" oder auch "Corona Quarantäne Psyche". Sicher weiß nur ein kleiner Prozentsatz der Suchenden, dass es in einigen Praxen bereits das Angebot der Telemedizin gibt. Ein noch kleinerer Prozentsatz kennt überhaupt den Begriff "Telemedizin" und würde daher eher etwas in Richtung "Corona Therapie Telefon" suchen. Die Inhalte auf der Website müssen also so gestaltet werden, dass viele der möglichen Suchbegriffe enthalten sind. Daher folgt nach einer ausführlichen Keyword-Analyse,  im letzten Schritt eine entsprechende Ausführung der Inhalte. Zusammen mit dem Kunden fiel die Entscheidung auf die Keywords "Onlinetherapie", "Therapie ortsunabhängig" und - aufgrund der Brisanz - "Corona".

Telemedizin Angebot transparent erklären.

Die Umsetzung von Telemedizin in einer Praxis beinhaltet viele Punkte. LIEBMONTAG unterstützt den Kunden bei der Kommunikation nach außen. Dazu gehören beispielsweise eine eigene Rubrik auf der Website, inklusive Inhalte verschiedener Art und ein "Aufmerksam-machen".

In Zeiten der Corona Pandemie ist das Anbieten von Telemedizin eine sinnvolle und verantwortungsvolle Maßnahme, um sowohl die Patienten als auch das Praxis-Team zu schützen. Daher wird das Angebot zur Onlinetherapie an verschiedenen Stellen der Website platziert, sowohl auf der Startseite als auch auf der Seite für die Online-Anmeldung. Neuen und bestehenden Patienten soll es leicht gemacht werden, das Angebot kennenzulernen und in Anspruch zu nehmen. Dies geschieht beispielsweise durch mehrere Buttons, Banner und Popup-Fenster. Um möglichst klar und transparent zu informieren, haben wir uns dazu entschlossen, auch mit FAQs zu arbeiten. So bleiben keine Fragen offen und die Hemmschwelle sinkt erneut.

Auf mögliche Fragen
offen eingehen & erklären.

Direkt mit Beginn der politisch angeordneten Quarantäne-Maßnahmen, konnte die Onlinetherapie in den Praxen von Qurateam starten. Dies lag an der guten Zusammenarbeit aller Beteiligten: Telemedizin-Anbieter, Programmierer und Content-Designer auf der einen Seite, Therapeuten und Praxis-Team auf der anderen. Die Praxisleitung konnte mit diesem ambitionierten Projekt wieder einmal beweisen, dass Innovationsgeist bei Qurateam großgeschrieben wird.

Zwischen dem Projekt-Start und der Integration in den therapeutischen Workflow vergingen lediglich 7 Tage. So konnten in einer 1. Stufe Patienten, die sich selbst in Quarantäne befinden, trotzdem ohne Unterbrechung weiter betreut werden. In den nächsten Schritten wurde die Telemedizin auch für alle anderen Patienten angeboten, sodass die gegenseitige Ansteckungsgefahr auf ein Minimum reduziert werden konnte. Zudem profitieren die Therapeuten aktuell davon, nicht mehr in den Praxisräumlichkeiten praktizieren zu müssen, sondern ihre Patienten weiterhin professionell von zu Hause betreuen zu können. Gut gelöst!

Patienten und Team während Corona-Pandemie schützen

Was kann - und was darf Onlinetherapie? 

Die Telemedizin hat selbstverständlich ihre Grenzen: Ein einfaches Beispiel wäre der Besuch beim Zahnarzt, der telemedizinisch nur sehr schwer umzusetzen ist. Die Psychotherapie hingegen eignet sich sehr viel besser für die Telemedizin, eine Onlinetherapie weist sogar einige Vorteile auf. Doch es gibt auch Kontraindikationen, welche der behandelnde Therapeut sorgsam abwägen muss. Eine Gegenüberstellung.

Mit Gedanken von med. pract. et lic. phil. Joseph Selinger · Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH · Psychologe FSP

Bequem vom Sofa aus: Onlinetherapie ist niedrigschwellig

Einer der größten Vorteile der Onlinetherapie ist die Niedrigschwelligkeit. Ein Telefonat oder gar die asynchrone Telemedizin via Chat oder Mail sind für viele Patienten eine sehr viel kleinere Hürde, als der Gang aus dem Haus oder ein 1:1 Gespräch. Oft machen es Zwangsstörungen oder andere psychische Krankheiten sehr schwer oder sogar unmöglich, die eigenen vier Wände zu verlassen. Hier liegt der Vorteil einer Onlinetherapie ganz klar auf der Hand. Und auch für mobilitätseingeschränkte Personen kann Telemedizin eine enorme Erleichterung sein.

Onlinetherapie hat auch seine Grenzen

Doch Ärzte und Therapeuten sollten auch die Grenzen und Kontraindikationen richtig einschätzen. Insbesondere im psychologisch-psychiatrischen Bereich gibt es einige Krankheitsbilder, die eine Onlinetherapie erschweren oder unmöglich machen. Wenn sich Patienten nicht im gleichen Realgefüge befinden, beispielsweise bei Schizophrenie und Psychosen, ist die Betreuung per Telefon oder Videochat nicht realisierbar. Auch bei Patienten, die zu dissoziativen Zuständen neigen, ist die Therapie in persona sehr viel vorteilhafter, da die*der Therapeut*in oder Ärzt*in physisch eine viel bessere Hilfstellung anbieten kann, als virtuell. 

Ein Erstgespräch sollte, wenn möglich, persönlich und "real" stattfinden. Auch die Diagnostik wird durch einen persönlichen Eindruck erheblich erleichtert und in ihrer Verlässlichkeit verbessert. 

Die Behandlung von Traumata könnte durch Onlinetherapie profitieren

Ein Bereich, in dem der Patient sogar von der Onlinetherapie, im Vergleich zur persönlichen Vor-Ort-Therapie in der Praxis, profitieren kann, ist die Behandlung von Traumata. 

Durch die Entfernung und die "Digitalisierung" können zum Beispiel Trigger weniger intensiv wahrgenommen und somit besser bearbeitet werden.

Aber auch die Therapie von Angststörungen kann eine ganz neue Dimension bekommen. Denkbar sind Szenarien, in denen sich der Patient in die jeweilige Situation begibt, währenddem der Therapeut stetig über Smartphone unterstützend an seiner Seite ist. Eine innovative Idee, Telemedizin bestmöglich zu nutzen, da solch eine Betreuung in einer konventionellen Therapie-Situation aus unterschiedlichen Gründen eher selten möglich wird.

Die Technik sollte nicht unterschätzt werden

Doch, so Joseph Selinger, sollten auch die möglichen technischen Hürden nicht vergessen werden. Um eine befriedigende Behandlung und Betreuung möglich zu machen, muss eben auch der technische Aspekt stimmen: Während dies bei einem herkömmlichen Telefonat noch ganz simpel erscheint, basiert die neuartige Telemedizin auf viel komplexerer Technik. Es wird eine App, ein bestimmter Browser sowie ein Smartphone oder Laptop/PC benötigt. 

Daher sollte der Patient über das nötige Equipment, einschließlich ausreichendem Empfang, und Know-How verfügen. Aber auch die Praxis muss einige Arbeit leisten, bis die Infrastruktur für Telemedizin optimal integriert ist. Dies ist mit Kosten und Mühen verbunden, die gerade in Krisenzeiten begrenzte Ressourcen sind.

Mit Telemedizin optimistisch in die Zukunft schauen

Es bleibt der optimistische Blick in die Zukunft: Telemedizin und Onlinetherapie werden die ärztliche und therapeutische Arbeit perspektivisch sicherlich verändern. Für Joseph Selinger und das Team rund um die Praxisfamilie Qurateam war dieser Schritt zur Onlinetherapie bereits seit längerem angedacht und ergänzt die Praxsis-Innovationen des Qurateams, wie zum Beispiel die bequeme Onlineanmeldung, bestens.

Ich danke Joseph Selinger für das Gespräch, welches als Grundlage für diesen Exkurs gedient hat.